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A review by alissia09
Über Den Fluß Und In Die Wälder by Ernest Hemingway
5.0
Ich habe nicht erwartet, dass mir dieses Buch gefällt und mich auf eine langweilige und langandauernde Leseerfahrung vorbereitet.
Nun, ich wurde überrascht.
Was ich an diesem Buch mochte, war der Schreibstil. Ich habe bisher nur "Der alte Mann und das Meer" und "Paris – Ein Fest fürs Leben von Hemingway" gelesen und die haben mich hinsichtlich des Schreibstils (und auch sonst) relativ gleichgültig zurückgelassen. Hier war das nicht der Fall. Ich sehe zwar ein, dass Hemingway sich teilweise doch viel wiederholt (Meine einzig wahre, letzte, größte Liebe oder was auch immer genau er immer über Renata schreibt, sagt), sehe darin aber auch den Charme des Ganzen. Was ich aber besonders beeindruckend fand, ist, dass ich durch diese karge Schreibweise, durch diese meisterhaft verfassten Dialoge sehr mit den Figuren mitfühlen konnte, ganz bei ihnen war. Bei Büchern, die älter als 30 Jahre sind passiert das eigentlich nicht auf diese Weise bei mir.
Es hat mich mitgenommen, wie Renata und der Oberst stets nach Bestätigung der Liebe der jeweils anderen Person gebettelt haben, wie verliebt und gleichzeitig unglücklich sie über den Tod des Obersts waren und wie gut man das sehen konnte.
Auch wie beide damit klarkommen mussten, dass der Oberst bald sterben wird und wie davon berichtet wurde, fand ich sehr mitreißend. Einerseits war alles so nüchtern, andererseits konnte ich die Emotionalität der beiden regelrecht spüren. Es hat mich selber sehr mitgenommen.
Generell mochte ich Hemingways Humor und wie er in den Schreibfluss so kleine Affronts eingebaut hat. (Und wie er eine Sexszene im Grunde mit einer Angriffsmetapher versteckt hat.)
Was mir nicht gefallen hat, das waren die Gespräche über den Krieg. Allerdings ist das wahrscheinlich auch nur darin begründet, dass ich 2/3 der Inhalte über Krieg nicht verstanden habe. Dabei ist mir glaube ich auch sehr viel Wichtiges entgangen, weil doch diese Traumatisierung aus dem Krieg und das Soldatenleben des Oberts zentraler Bestandteil der Identität und Geschichte des Obersts sind.
Ziemlich wiederwärtig fand ich auch, dass Hemingway Renata die ganze Zeit Tochter genannt hat. Ich weiß nicht, ob das jetzt irgendwie noch eine versteckte Bedeutung hatte, die ich nicht verstanden hatte, aber ich fand es doch ziemlich seltsam. Ich bin eigentlich relativ aufgeschlossen gegenüber Beziehungen mit großen Altersunterschieden, finde aber dann eine solche Bezeichnung wirklich unangebracht. Vor allem, weil das Konzept von "daddy issues" als Ursache für die Anziehung durchaus auf Renata angewandt werden kann. Ihr Vater wurde ja von den Deutschen ermordet, dadurch ist sie traumatisiert und der Oberst, der auf der Gegenseite gekämpft hat, zeigt sich dahingehend als Retter (und eben auch Ersatzvater).
Dann hat er sie manchmal auch ansatzweise als „anders als die anderen Mädchen/Frauen“ dargestellt, das hat mich genervt. Vor allem, dass der Oberst seine Exfrau runtergemacht hat, fand ich nicht gerade angemessen. Hemingway hat nämlich die Geschichte auf einer eigenen Begegnung mit einer sehr viel Jüngeren Italienerin aus Venedig aufgebaut, während er mit einer Journalistin (und ich meine auch Kriegsreporterin) verheiratet war. Der Roman ist dann ebenfalls während dieser Heirat entstanden.
Der Roman hat mich übrigens auch an den „Tod in Venedig“ von Thomas Mann erinnert. Ich mochte diese Parallele. Beide beschäftigen sich mit dem Tod, einer Liebe zu einer deutlich jüngeren Person und eben mit Venedig. Obwohl ich Venedig nicht unbedingt zugeneigt bin, hat mir doch die Liebe der Protagonisten in beiden Geschichten sehr zugesagt. Ich kann diese Verbundenheit sehr gut verstehen und mochte die Atmosphäre und die Art, in der Venedig beschrieben wird (vor allem in diesem Roman hier) sehr gern.
Nun, ich wurde überrascht.
Was ich an diesem Buch mochte, war der Schreibstil. Ich habe bisher nur "Der alte Mann und das Meer" und "Paris – Ein Fest fürs Leben von Hemingway" gelesen und die haben mich hinsichtlich des Schreibstils (und auch sonst) relativ gleichgültig zurückgelassen. Hier war das nicht der Fall. Ich sehe zwar ein, dass Hemingway sich teilweise doch viel wiederholt (Meine einzig wahre, letzte, größte Liebe oder was auch immer genau er immer über Renata schreibt, sagt), sehe darin aber auch den Charme des Ganzen. Was ich aber besonders beeindruckend fand, ist, dass ich durch diese karge Schreibweise, durch diese meisterhaft verfassten Dialoge sehr mit den Figuren mitfühlen konnte, ganz bei ihnen war. Bei Büchern, die älter als 30 Jahre sind passiert das eigentlich nicht auf diese Weise bei mir.
Es hat mich mitgenommen, wie Renata und der Oberst stets nach Bestätigung der Liebe der jeweils anderen Person gebettelt haben, wie verliebt und gleichzeitig unglücklich sie über den Tod des Obersts waren und wie gut man das sehen konnte.
Auch wie beide damit klarkommen mussten, dass der Oberst bald sterben wird und wie davon berichtet wurde, fand ich sehr mitreißend. Einerseits war alles so nüchtern, andererseits konnte ich die Emotionalität der beiden regelrecht spüren. Es hat mich selber sehr mitgenommen.
Generell mochte ich Hemingways Humor und wie er in den Schreibfluss so kleine Affronts eingebaut hat. (Und wie er eine Sexszene im Grunde mit einer Angriffsmetapher versteckt hat.)
Was mir nicht gefallen hat, das waren die Gespräche über den Krieg. Allerdings ist das wahrscheinlich auch nur darin begründet, dass ich 2/3 der Inhalte über Krieg nicht verstanden habe. Dabei ist mir glaube ich auch sehr viel Wichtiges entgangen, weil doch diese Traumatisierung aus dem Krieg und das Soldatenleben des Oberts zentraler Bestandteil der Identität und Geschichte des Obersts sind.
Ziemlich wiederwärtig fand ich auch, dass Hemingway Renata die ganze Zeit Tochter genannt hat. Ich weiß nicht, ob das jetzt irgendwie noch eine versteckte Bedeutung hatte, die ich nicht verstanden hatte, aber ich fand es doch ziemlich seltsam. Ich bin eigentlich relativ aufgeschlossen gegenüber Beziehungen mit großen Altersunterschieden, finde aber dann eine solche Bezeichnung wirklich unangebracht. Vor allem, weil das Konzept von "daddy issues" als Ursache für die Anziehung durchaus auf Renata angewandt werden kann. Ihr Vater wurde ja von den Deutschen ermordet, dadurch ist sie traumatisiert und der Oberst, der auf der Gegenseite gekämpft hat, zeigt sich dahingehend als Retter (und eben auch Ersatzvater).
Dann hat er sie manchmal auch ansatzweise als „anders als die anderen Mädchen/Frauen“ dargestellt, das hat mich genervt. Vor allem, dass der Oberst seine Exfrau runtergemacht hat, fand ich nicht gerade angemessen. Hemingway hat nämlich die Geschichte auf einer eigenen Begegnung mit einer sehr viel Jüngeren Italienerin aus Venedig aufgebaut, während er mit einer Journalistin (und ich meine auch Kriegsreporterin) verheiratet war. Der Roman ist dann ebenfalls während dieser Heirat entstanden.
Der Roman hat mich übrigens auch an den „Tod in Venedig“ von Thomas Mann erinnert. Ich mochte diese Parallele. Beide beschäftigen sich mit dem Tod, einer Liebe zu einer deutlich jüngeren Person und eben mit Venedig. Obwohl ich Venedig nicht unbedingt zugeneigt bin, hat mir doch die Liebe der Protagonisten in beiden Geschichten sehr zugesagt. Ich kann diese Verbundenheit sehr gut verstehen und mochte die Atmosphäre und die Art, in der Venedig beschrieben wird (vor allem in diesem Roman hier) sehr gern.